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Vorstufe-Fragen und Ängste

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Beitragvon Hannah am Mi Feb 09, 2011 11:47 am

Titel: Vorstufe-Fragen und Ängste

Hallo, bin durch Zufall auf dieses Forum gestossen und habe mich spontan entschlossen, mich anzumelden, da ich mich momentan etwas hilflos fühle und hoffe hier etwas Unterstützung zu bekommen.
Zu meiner Person:
ich bin Jahrgang 1958 und war bislang nur zwecks meiner Entbindungen 1986 und 1992 im KH, also eigentlich immer recht fit.
Beschwerden und Tastbefunde hatte ich nicht, war auch gerade vor einigen Monaten zur gynäkologischen Vorsorge, ohne Befund

Deswegen traf mich jetzt das Ergebnis vom Mammographie-Screening , wo sog. Mikroverkalkungen festgestellt wurden und anschließenden Untersuchungen mit Vakuumbiopsie doch eher unvorbereitet:
Vorstufe zu Krebs , zwar nur ca 3-4 mm aber in der Einstufung 1-3, Stufe 3, also mit aggressivem Potential , muss operiert werden und wohl auch anschließend noch bestrahlt.
Der Arzt meinte ich habe "Glück im Unglück", da das so früh erkannt wurde und noch so klein ist, ferner erfuhr ich, dass bei einer Größe von 3-4 cm bereits eine Amputation fällig gewesen wäre.

Nächste Woche habe ich eine Vorbesprechung/Untersuchung im Brustzentrum des KH und werde irgendwie immer nervöseer:
Was kommt auf mich zu, , hat man große Schmerzen nach der OP,wie lange wird man in seinen alltäglichen Dingen eingeschränkt sein etc,, wie wird das mit den Bestrahlungen ( 35 Stück, 5 Tage die Woche wurde mir gesagt)

All das beschäftigt und bedrückt mich momentan sehr, wenn mir hier jemand mit entsprechenden Erfahrungen antworten könnte, würde ich mich sehr freuen!
Hannah
 
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Beitragvon Katinka am Mi Feb 09, 2011 1:44 pm

Titel: Re: Vorstufe-Fragen und Ängste

Hallo Hannah, schön dass du bei uns gelandet beist, auch wenn der Grund dafür natürlich nicht so schön ist. Dass du zur Zeit etwas neben dir stehst kann jede von uns hier verstehen. Die Diagnose Krebs trifft einen wohl immer unerwartet und löst Ängste aus.
Gut, dass bei dir die Diagnose so frühzeitig kam, auch wenn es auf einen aggressiven Krebs hinweist, ist es noch eine Vorstufe. In einem brustzentrum bist du in der Regel in den besten Händen, da dort die Behandlung Standard und Routine ist. Auch bei den Brustops, da sie dort routinemäsig mit viel Erfahrung gemacht werden. Du wirst - so entnehme ich es - brusterhaltend operiert, das heißt es wird dir der betroffene Bereich und ein gewisser Anteil an gesundem Brustgewebe entnommen (man bezeichnet das als "im gesunden entfernt"). Je nach Größe und Lage des zu operierenden Gebiets wird der Chirurg versuchen mit einem möglichst kleinen Schnitt und auch kosmetisch ansprechend zu operieren. Je nachdem wie groß/klein deine Brust ist kann er entsprechend modellieren. Frag ruhig nach, wie operiert werden soll. Das ist in der Regel keine allzulange Op. Vor den Schmerzen brauchst keine Angst zu haben, du bekommst genug dagegen insbesondere n den ersten 1-3 Tagen. Wahrscheinlich hast du in den ersten Tagen noch eine kleine Drainage aus der Wunde liegen, damit ein sicherer Wundabfluss gewährleistet wird. Sie wird meistens recht schnell gezogen. Normalerweise heilt alles recht schnell zusammen, es sind ja keine Sehnen, Muskeln etc. betroffen. Klar, solltest du dich danach wenn möglich 2 - 3 Wochen schonen (nix Schweres heben auf der Seite oder so), du wirst sehen dass du schnell wieder fit bist.
Wahrscheinlich wird dir auch der Wächterlymphknoten entfernt - eventuell in der gleichen Op - er wird routinemäsig untersucht, ob in ihm als erstem Lymphknoten im Lymphabfluss nach dem Brustgewebe irgendwelche Krebszellen zu finden sind. Lass dich davon nicht erschrecken, das ist wirklich ein ganz normaler Eingriff und dient dazu eine exakte Diagnostik auch für deine weitere Behandlung zu geben.
Die Bestrahlungen finden im Anschluss statt, wenn die Opnarbe verheilt ist.
Je nach Brustzentrum sind es ca. 30 - 35 Stück und wie du schon weißt an 5 Tagen der Woche. Da bist du halt zeitlich etwas gebunden, allerdings tun sie normalerweise nicht weh (gut, die Haut wird trocken und etwas angegriffen, da reagiert jede unterschiedlich), das Unangenehmste finde ich sind eher die schönen Markierungen in allen möglichen Farben auf deinem Brustkorb, damit werden die bestrahlungsfelder eingezeichnet und die dürfen auch nicht abgewaschen werden. Also, mit groß Duschen ist es in der Zeit nix.....
Ich hoffe, ich konnte dich ein wenig beruhigen, ich weiß wie schwierig gerade die erste Zeit nach der Diagnose ist, aber du schaffst das.
Und ganz wichtig: wenn dir was in den Besprechungen nicht klar ist, frag nach, solange bis du für dich zufrieden bist.
Alles Gute, lieber Gruß Katinka
Katinka
 
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Beitragvon Hannah am Mi Feb 09, 2011 6:06 pm

Titel: Re: Vorstufe-Fragen und Ängste

Hallo Katinka,
hab vielen Dank für deine rasche und ausführliche Antwort!
Natürlich hätte ich das sicher alles auch nächste Woche im Brustzentrum erfahren, aber irgendwie bewegen mich diese Fragen jetzt, dass ich einfach nicht mehr abwarten konnte- gerade diese praktischen Sachen.
Toll dass du dir die Zeit genommen hast so ausführlich zu schreiben- nun fühl ich mich schon nicht mehr ganz so "schwimmend"
Also nochmals: Ganz herzlichen Dank !!
Hannah
 
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Beitragvon Hannah am Do Mär 10, 2011 12:08 am

Titel: Re: Vorstufe-Fragen und Ängste

Hallo,
nun melde ich mich noch einmal hier, obwohl ich natürlich weiß, dass mir niemand die Entscheidung abnehmen kann.
Die OP hab ich gut überstanden, war nur 2 Tage im KH, Befund blieb bei "Vorstufe", für mich war klar, nun kommen bald die Bestrahlungen.
Gestern hatte ich die Vorbesprechung für die Bestrahlungen - und seitdem ändert sich meine Einstellung fast stündlich- ich überlege, ob ich die Bestrahlung lieber sein lassen soll.

Die Ärztin sagte mein Rückfallrisiko läge bei 30% - also 70 % Chance dass nichts wieder kommt.- Auf der anderen Seite die Liste der möglichen Nebenwirkungen, wobei mich vor allen Dingen solche, die sich evtl Jahre später einstellen können beschäftigen.

Dieses Gefühl dass mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird und ich durch die Bestrahlungen vllt erst richtig krank werden könnte drängt sich bei mir immer mehr in den Vordergrund.

Mein Mann war sichtlich irritiert, als ich ihm heute die Überlegung mitteilte evtl doch nicht bestrahlen zu lassen . Nächste Woche wäre der Termin, mir die Markierungen aufmalen zu lassen...

Irgendwie habe ich das Gefühl, egal wie ich mich letztendlich entscheiden werde, immer das Falsche zu tun
Hannah
 
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Beitragvon Babs am Do Mär 10, 2011 8:37 pm

Titel: Re: Vorstufe-Fragen und Ängste

Hallo Hannah,

Strahlentherapie ja oder nein - nur Du kannst das entscheiden. Noch vor ein paar Jahren hättest Du das Problem nicht - die Behandlung war ganz anders, und zwar ganz radikal. Bei einer Vorstufe wurde die Brust immer amputiert (egal, wie viele mm oder cm betroffen waren), aber mit der Operation war die Behandlung auch schon zu Ende. Es gab weder Chemo- noch Strahlentherapie noch AHT. Die Ärzte sagten damals: was weg ist, ist weg. Und da der Vorstufen-Übeltäter noch nicht so "gefährlich" war wie ein "echter" Tumor, wurde mit der OP die Heilung erreicht. Heute wird meistens brusterhaltend operiert, deshalb empfehlen die Ärzte eben die Bestrahlungen. Ob sie notwendig sind (gerade bei einer Vorstufe) kann man leider im Voraus nicht sagen ...

Ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft.
Liebe Grüße
Babs
Wunder gibt es immer wieder. Man muss nur an sie glauben. Und das Wunderbarste an den Wundern ist, dass sie manchmal wirklich geschehen ...
Babs
 
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Beitragvon birgitt am Do Mär 10, 2011 10:25 pm

Titel: Re: Vorstufe-Fragen und Ängste

Hallo Hannah,
Deine "Zerissenheit" kann ich sehr gut nachvollziehen...
Babs hat Dir schon alles sehr gut erklärt und ich kann aus meiner "Karriere", für die ich mich ganz alleine entscheiden mußte nur sagen: richtig entschieden!
wenn Du magst kannst Du dieses bei "Wochenbericht" lesen.
Die Entscheidung kann Dir keiner abnehmen...
Wenn nötig hole Dir,Du hast jetzt nach der OP eine kurze "Verschnaufzeit",(wichtig der Histologie-Befund) eine 2. Meinung ein. Ansonsten besprich Dich wirklich noch einmal mit Deinen Ärzten, denen Du bis jetzt vertraut hast.
Ich wünsche Dir eine gute Entscheidung für Dich
Beste Grüße
Birgitt
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Beitragvon Hannah am Fr Mär 11, 2011 2:13 am

Titel: Re: Vorstufe-Fragen und Ängste

Danke für die Antworten - Das mit der Praxis der Amputation noch vor einigen Jahren wusste ich natürlich- damals sah man es als notwendig an zu amputieren, jetzt zu bestrahlen- was wird man in weiteren Jahren für richtig oder falsch erachten ?
Den Frauen die damls völlig unnötig ihre Brust verloren hilft die heutige Erkenntnis nichts mehr- vllt sagt man in einigen Jahren, Bestrahlungen bei Vorstufe seien unnötig

Der Befund hat ergeben, dass es bei der Diagnose "Vorstufe" geblieben ist und eine "Verschnaufpause" hab ich nun eben nicht mehr- wie ich ja schrieb, hatte ich bereits das Vorgespräch und das "Anzeichnen" soll Anfang nächster Woche sein.

Wo finde ich denn diesen Wochenbericht ?
Hannah
 
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Beitragvon Lütte am Di Mär 15, 2011 7:20 pm

Titel: Re: Vorstufe-Fragen und Ängste

Hallo Hannah,
sicher hört sich alles was man in solchem Moment zu hören bekommt beängstigend an. Woran sich jeder festhalten kann ist sehr unterschiedlich. Einem "reichen" die 70%, ein anderer will lieber alles was möglich ist an Therapie, hauptsache der Krebs kommt nicht wieder.
Und doch ist keine Variante absolut sicher. Jeder Mensch ist verschieden und so reagiert jeder anders auf die Therapien und auch mental auf solche Nachrichten.
In meiner Ersterkrankung sollte ich selbst entscheiden ob Chemo oder nicht. Wäre ich ein Jahr jünger gewesen hätte sie zum Standart gehört. Bestrahlung war auf jeden Fall vorgesehen und ich sollte sagen ob ich auch die Chemo möchte. Wahrscheinlichkeit der Heilung ohne Chemo: 93%, mit 97%.
Ich hab mich dagegen entschieden. Trotz der guten Chance, über 90% war für mich ok, lag ich ein Jahr später wieder auf dem OP-Tisch. Anschließend kam dann natürlich die Chemo, in einer stärkeren Variante. Dagegen kenn ich Leute die ihre Therapie abgebrochen haben und denen es seit Jahren gut geht.
Alles ist möglich.
Im zweiten Rezidiv (mach dir aber ja nicht wegen mir jetzt einen Kopf, solche Mehrfachtäter sind sehr selten!!!!!!) hat man mir wieder Bestrahlung angeraten. Obwohl ich nicht sehr von ihrem Nutzen überzeugtwar (hat ja schon mal nicht lange vorgehalten) hab ich sie trotzdem gemacht, da ich wußte das sie mich nicht sehr mitnimmt. Und eine kleine Hoffnung war da, der Tumor hätte sich ja ändern können und nun darauf ansprechen.
Außer das ich meine Haut an den Stellen gut pflegen, sprich ganz viel cremen mit Bepanthen, musste hatte ich durch die Bestrahlung keine Einschränkungen. Ich war jedes mal während der Zeit auch voll arbeiten.
Aber wie schon vor mir gesagt, eine zweite Meinung kann einem bei der Entscheidung auch helfen.
Alles Gute für dich! Du wirst für dich persönlich schon den besten Weg einschlagen. Nur wenn man sich entschieden hat, sollte man dabei bleiben und auch später nicht grübeln! Trotz des schnellen Rezidivs war meine Entscheidung nicht gleich die Chemo zu nehmen total in Ordnung. Alles kann man nicht wissen.

An alle anderen die mitlesen gleich noch schöne Grüße!
Für die meisten Fragen ist z.Z. ja Babs immer recht schnell und kompetent. Egal ob es um Verstopfung, Selbsthilfegruppen o.a. geht. Was anderes würde ich jeweils auch nicht wissen.
Ich bin nur noch ab und an dabei. Meistens versuch ich nicht mehr mich zu viel mit diesem Thema zu beschäftigen. Damit hab ich schon zu viel Zeit verbracht.
Diesmal hat es mich auch psychisch ganz schön umgehauen. Aber jetzt ist die Psychotherapie von der Kasse bewilligt. Eh sowas überall durch ist, hat man seine Probleme schon fast allein gelöst. Doch ich werde hingehen.
Zur weiteren Ablenkung hab ich diese Woche wieder angefangen zu arbeiten.
Im Februar war ich mit im Skiurlaub. Eigentlich wollte ich nur wandern und etwas Langlauf machen. Doch als ich einen passenden Rückenprotektor mit integriertem Brustschutz gefunden hab, ging es doch für 3 Tage auf die Abfahrtspiste.
Nun kann der Frühling kommen. Mit etwas Sonne geht es doch auch unseren Gemütern besser!
Bis bald!
Eure Lütte
Lütte
 
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