Hallo in die Runde,
ich muss mich mal wieder ein bisschen abreagieren ...
Ich werde meine Stamm-Bäckerei wechseln. Die Verkäuferin fragt mich seit Monaten

immer wieder dasselbe:
Haben Sie tatsächlich gar keine Haare auf dem Kopf? Und warum? Und wie lange wird es dauern? Und danach? Chemotherapie? Was ist das? Was wird bei einer Chemotherapie gemacht?Ich dachte, eine erwachsene Frau (so ca. Mitte 20) weiß (zumindest so im Allgemeinen), was eine Chemotherapie ist. Auch schon deshalb, weil ich die Fragen inzwischen mehrmals

beantwortet habe. Wenn die Verkäuferin sich das nicht merken kann (oder vielleicht nicht will), ist das nicht mein Problem. Das ist aber für mich ziemlich lästig, immer wieder dieselben Fragen zu beantworten und immer wieder dasselbe zu erzählen. Als Aufklärerin zum Thema "Chemotherapie für Verkäuferinnen und zufällige Bäckerei-Kunden" fühle ich mich unwohl. Nach dem Gespräch von gestern habe ich mich entschlossen, mein Geld einer anderen Bäckerei zu schenken ...
Und noch eine Geschichte. Seit ein paar Monaten haben wir eine neue Nachbarin. Das heißt, 'Nachbarin' ist eigentlich zu viel gesagt. Sie ist keine direkte Nachbarin, sie wohnt ein paar Häuser weiter, ich treffe sie manchmal unterwegs, meistens dann, wenn ich zur Bus- oder U-Bahn-Haltestelle gehe. So wie gestern. Sie hat auf den Bus gewartet, ich ging zur U-Bahn. Sie hat mich gesehen und hat sich "spontan" entschieden, auch zur U-Bahn zu gehen, um zusammen mit mir in die für sie andere

Richtung zu fahren.

Sie hat mich so mit Fragen bombardiert, dass ich heute immer noch nicht verstehe, wie ich das überleben konnte. Sie interessiert sich für (Zitat) "alles Göttliche und Esoterik", sie freut sich, dass ich die Krankheit angenommen habe (habe ich das tatsächlich

- außerdem ist mir wurscht, ob SIE sich darüber freut oder nicht), und überhaupt, ich sehe gut und gesund aus und das bedeutet, ich bin gar nicht so krank. Zum Schluss hat sie noch gesagt:
Was, Sie leben schon seit 8 Jahren mit der Krankheit?! Dann können Sie nicht so schwer krank sein. Gut, dass ich nur 2 Station fuhr, ich schätze, ich wäre zum Mord bereit.
Liebe Grüße
Babs
Wunder gibt es immer wieder. Man muss nur an sie glauben. Und das Wunderbarste an den Wundern ist, dass sie manchmal wirklich geschehen ...