Hallo liebe Leidensgenossen!
Wie so viele von euch, habe ich auch bereits seit meiner Kindheit mit der Neurodermitis zu kämpfen gehabt, was sich zum Glück im Laufe der Jahre verbessert hat.
Nun dachte ich mir, könnte ich vielleicht auch mal einen Beitrag leisten, und euch berichten, was mir meiner Erfahrung nach geholfen hat, mittlerweile ganz gut mit meiner empfindlichen Haut zu leben.
Dazu möchte ich gerne etwas weiter ausholen, und erstmal berichten, wie alles bei mir begann:
Ich hatte wohl schon als Baby den berühmten Milchschorf, und auch als kleines Kind eine empfindliche Haut, doch erst mit ca. 9 Jahren, brach die Neurodermitis so richtig bei mir aus. Erstmal bekam ich starken Ausschlag an den Händen und in den Armbeugen, wo ich aber noch gar nicht wußte, was es genau ist. Daraufhin folgten logischerweise viele Arztbesuche, um erstmal herauszufinden, was mit der Haut nicht stimmt, und natülich um Hilfe zu bekommen.
Das Schlimmste war auch für mich, wie für viele andere, der quälende Juckreiz, der mich besonders des Nachts heimsuchte, und mich unruhig schlafen ließ.
Aber auch die eigene Unwissenheit, was mit dem Körper nicht stimmt, und warum die Haut mit so einem Ausschlag reagiert, war fast unerträglich.
Auch unangenehm war natürlich die Scham und die eigene Machtlosigkeit, sowie Niedergeschlagenheit, die man am liebsten vor der Welt verbergen wollte, weshalb ich mich auch gerne so oft es ging in meinem Zimmer verkroch, und mit meinen Schüben eine nette Entschuldigung hatte, mich vor unangenehmen oder stressigen Situationen zu verstecken.
Was die Jahre darauf folgte waren immer wieder verschiedene Therapieversuche, wobei ich wohl auch alles ausprobiert habe, was schulmedizinisch möglich war:
als erstes natürlich die berühmten Kortisonsalben, Bäder, Bestrahlungen, Cremes und Lotionen, Tinkturen, 4 Kuren, Totes Meersalz, Allergietests, Umschläge mit schwarzem Tee, Zinkpasten, Entspannungstechniken.
Einige Dinge haben auch gut geholfen, doch bei vielen Methoden ist ja bekannt, dass sie nur vorübergehend Linderung verschaffen.
So merkte ich relativ schnell, dass mir die Schulmedizin auf Dauer alleine nicht weiterhelfen kann, und so begann ich, mich nach alternativen Möglichkeiten umzusehen.
Als Teenager fing ich noch zusätzlich an, mich intensiv mit Ernährung zu beschäftigen, und nicht nur aus gesundheitlichen Gründen, sondern auch aus ethisch/moralischen Überlegungen wurde ich zur Vegetarierin. Im Nachhinein denke ich, dass durch den Fleischverzicht schon auch meine Neurodermitis-Schübe abgeschwächt wurden, und der Juckreiz sich verminderte - ein schöner Nebeneffekt!
Im alternativen Sektor versuchte ich zunächst auch Verschiedenes aus, was wohl zu unserem Schicksal gehört: viel zu experementieren, und individuell herauszufinden, was uns gut tut, und was nicht. Natürlich will ich nicht alles aus der Schulmedizin schlechtreden, denn viele Ratschläge sind schon wertvoll. So lasse ich auch bestimmte Nahrungsmittel weg, weil ich weiß, dass ich sie nicht vertrage, und verzichte lieber auf den kurzen Genuß, mit unangenehmen Folgen, und habe gelernt, die wenigen Nahrungsmittel zu genießen und miteinander zu kombinieren, die mir gut bekommen.
Meine alternativen Experimente umfassten: Homöopathie, Kinesologie, Bioresonanztherapie, symbolische Familienaufstellung, Naturheilverfahren, Bachblüten und Psychotherapie.
Und hier komme ich nun zu einem mir wichtigen Punkt, der hier im Forum, und auch sonst kaum irgendwo im Zusammenhang mit Neurodermitis benannt wird: nämlich der eigenen Psyche, der Seele, die sich doch wie man so schön sagt, auf der Haut spiegelt.
Die Haut ist ja das größte Organ unseres Körpers, und die äußere Grenze zur Außenwelt, also unsere Kontaktstelle. Sie stellt also die Kommunikation zwischen unserem Ich und dem Du her. Und da unsere Haut gestört, also irritiert ist, stimmt auf seelisch, emotionaler Ebene etwas mit unserer Kontaktfähigkeit nicht.
Aus eigener Erfahrung kann ich nur betonen, wie wichtig auch die Arbeit an sich selber ist, und dass besonders mich die Hautkrankheit sehr dazu animiert hat, mich intensiv mit mir selbst auseinanderzusetzen (gezwungenermaßen).
Im Nachhinein, wenn ich an meine Jugend zurückdenke, die noch nicht allzu lange zurückliegt, fällt mir doch auf, dass ich mich ziemlich oft selbst isoliert habe, oft indirekt durch die Krankheit.
Und oft waren diese Ausbrüche des Juckreizes, die offenen Wunden und diese Zurschaustellung der Entstellung der Haut vielleicht auch ein unbewußter Hilfeschrei nach Aufmerksamkeit, Zuwendung, Nähe und Liebe, die wir alle wohl nicht in dem Maße bekommen haben, wie wir uns sie gewünscht haben.
Damit möchte ich unseren Eltern keine Schuld zuschreiben, denn hierin liegt nämlich auch die Gefahr.
Ich denke, dass wir „Hautgeschädigten“ erst einmal lernen müssen, „richtig“ zu kommunizieren, d.h. wir müssen lernen, unsere inneren Bedürfnisse auch nach außen hin zu kommunizieren, ohne aber gleich eine Befriedigung zu erwarten, oder diese zu erzwingen.
Ich bin weiterhin der Überzeugung, dass es uns Neurodermitikern schwer fällt, unsere eigenen Gefühle wahrzunehmen, weil wir oftmals sehr sensibel sind (was ja auch für die empfindliche Haut spricht), aber umso genauer können wir unsere Außenwelt wahrnehmen und reagieren sehr stark auf diese, die uns unbewußt auch stark beeinflußt.
Kommt es nun zu sehr vielen Reizen, die auf uns einströmen, beruflich wie privat, und sind wir nur noch damit beschäftigt auf unsere Umwelt zu reagieren, ohne an uns selbst zu denken, kommt es leicht zu einer Reizüberflutung, die uns stresst, und die wir irgendwann nicht mehr kompensieren können.
Das sind dann häufig Momente, in der die Haut dann sehr stark reagiert, weil wir uns zu wenig Ruhe gönnen, Dinge, die geschehen, nicht ausreichend verarbeiten, uns selbst verleugnen, und unsere Gefühle unterdrücken, zum Wohle der anderen, oder aber einer übergeordnen Aufgabe, die wir erfüllen wollen.
Mittlerweile bin ich 25 Jahre alt, und kann heute mit Glück sagen, dass ich meine Neurodermitis mehr oder weniger ganz gut im Griff habe. Zwar habe ich die Weisheit auch nicht mit Löffeln gefressen, und würde mich auch nicht wirklich als geheilt bezeichnen, doch bin ich zumindest froh, dass der quälende Juckreiz schon seit Jahren nicht mehr aufgetaucht ist, und auch der Ausschlag ist immer schwächer und weniger geworden. Jeder Neurodermitiker, der sich schon mal blutig gekratzt hat, so wie ich auch oft, würde sich wohl genauso freuen, wenn seine Beschwerden endlich abklingen. Aber auch ich muß natürlich noch viel lernen, und versuche jeden Tag aufs Neue, ein gesundes und glückliches Leben zu führen, was mir mal mehr, mal weniger gelingt.
Aus meinen vielen Erfahrungen kann ich nur noch mal abschließend zusammenfassen, was mir am besten geholfen hat:
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eine bewußte Ernährung, die Lebensmittel vermeidet, die einem nicht gut tun. Das beeinhaltet aber nicht nur die klassischen „Citrusfrüchte“ und andere allergische Produkte, sondern speziell die individuellen unverträglichen Nahrungsmittel, die man am besten nur selber ausprobieren kann, ob man darauf reagiert oder nicht. Ich verzichte z.B. auch auf Lebensmittel, die ich nicht gut verdauen kann, weil ich dann Magenprobleme bekomme, wie z.B. Kohl, Zwiebeln, bestimmte Rohkost, Bohnen usw.
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dann das Tragen von verträglichen Stoffen, wie überwiegend Baumwolle, und kratzfreie Textilien. Keine Kunststofffasern, Polyester usw.
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das Verwenden von Hautpflegeprodukten, die speziell für empfindliche Haut geeignet sind. Dabei müssen es noch nicht einmal teure Kosmetikprodukte sein - gute Salben und Cremes gibt es mittlerweile auch schon in günstigen Drogeriemärkten.
Dabei sollte man wirklich auch wieder auf die individuell beste Verträglichkeit achten, und auf gewisse Zusatzstoffe verzichten, wie z.B. Paraffin (ist oft zu fettig, und kleistert die Haut zu, lässt sie nicht atmen), Parfüm in manchen Fällen, Alkohol (brennt unangenehm).
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dann ist es schon auch besser so gut es geht, die Allergene, auf die man reagiert, zu vermeiden.
Z.B. auch auf Haustiere zu verzichten, wenn man weiß, dass man gegen Tierhaare allergisch ist.
Ich hatte selbst auch jahrelang immer irgendwelche Haustiere, die ich sehr liebte, zuletzt ein süßes Zwergkaninchen. Doch muß ich zugeben, dass es mir gesundheitlich doch besser geht, seit ich keine Haustiere mehr habe - so traurig das auch manchmal ist, dass man niemanden mehr zum Knuddeln hat. (Nehmt lieber ein Kuscheltier - das macht auch nicht so viel Dreck
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ganz wichtig finde ich aber auch die Auseinandersetzung mit sich selber, denn schließlich ist es unser Körper der krank ist, und unsere eigene Haut, die sich unwohl fühlt.
Aus eigener Erfahrung kann ich nur bestätigen, dass es sich lohnt, mal tief in die eigene Seele zu blicken, um herauszufinden, was sie so traurig oder wütend macht.
Die Haut als Spiegelbild der Seele will uns doch nur einen Hinweis geben, was mit uns nicht in Ordnung ist. Etwas in uns ist in ein Ungleichgewicht gekommen, was wir wieder in Harmonie bringen müssen, damit es uns wieder besser geht. Und das ist die Kunst.
Wichtig ist auch sich liebevoll anzunehmen, positiv zu denken, und sich gut um sich selbst zu kümmern.
An dieser Stelle würde mich mal von euch interessieren, ob ihr vielleicht auch irgendwelche einschneidende Erlebnisse hattet, als es mit eurer Neurodermits ganz schlimm wurde?
Oft hängen solche Schübe ja auch mit unangenehmen, emotionalen Begebenheiten zusammen, die man vielleicht in diesem Moment, oder sogar bis jetzt noch nicht richtig verarbeitet hat.
Bei mir hing mein erstes bewußtes Erlebnis mit der Krankheit sehr eng auch mit meinem Glauben zusammen, der zu der Zeit auf die Probe gestellt wurde, und mich teilweise richtig ins Zweifeln stürzte, so dass ich gar nicht mehr wußte, was für mich wirklich der Sinn des Lebens ist, und wie das Leben nun funktioniert. Dieses Erlebnis animierte mich dann, viele Jahre später noch nach dem richtigen Glauben für mich zu suchen, und mir eine eigene Weltordnung, eine eigene Philosophie zu gestalten, in der ich gut leben konnte.
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wichtig ist weiterhin, da es primär um den Körper geht, sich mal wieder intensiv zu spüren, was man ja indirekt durch das Kratzen auf eine äußerst unangenehme Weise tut. Eine positive Umsetzung wäre z.B. mit bewußten Körperwahrnehmungen zu arbeiten, also Entspannungsmethoden, wie z.B. die Muskelentspannung nach Jacobsen, Yoga usw., aber auch Sport, der einem Spaß macht, und den eigenen Körper wieder intensiver spüren läßt.
Doch nicht nur körperlich sollten wir uns wieder mehr spüren lernen, sondern auch emotional. Also uns vielleicht mal öfter fragen, wie es uns so geht, in einer bestimmten Situation.
Fühlen wir uns wohl, oder ist uns etwas unangenehm? Und dann, wie können wir uns besser fühlen?
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ausreichend Ruhe, Entspannung, und bewußte Erholung ist ebenfalls wichtig, um wieder neue Kräfte zu sammeln. Ich selber gönne mir auch oft zuwenig davon, und deshalb weiß ich, wie schwer es wohl den meisten fällt, mal abzuschalten.
Am besten man geht in diesem Fall wohl sehr diszipliniert vor, und legt sich feste Zeiten fest, in denen mal dann eine Pause macht. Vor allem auch geistig sollte man sich öfter mal eine Auszeit gönnen, denn wie heißt die Krankheit so schön Neuro = Nerven dermitis = Haut. Es ist also eine nervöse Hautkrankheit, und so bermerke ich auch am eigenen Leibe oft eine gewisse Unruhe und Rastlosigkeit, die häufig die Nervosität auslöst, die sich dann auf die Haut niederschlägt.
Ich hoffe, ich konnte euch vielleicht einige Anregungen geben, besser mit der Krankheit Neurodermitis umzugehen, denn die Haut wird wohl immer unsere Schwachstelle sein, aber wenn man lernt damit umzugehen, läßt es sich auch beschwerdefrei leben, wie es bei mir seit einiger Zeit glücklicherweise der Fall ist.
Alles Liebe, und gute Gesundheit! 