von Willi_Daniels am Mi Sep 12, 2007 6:20 am
Hallo recaco,
sicherlich ist die Situation und sind die Umstände bei jedem anders. Wie man immer wieder in Foren lesen kann, sind die Personen die sich für einen Verschluss entschieden haben, zufrieden und fühlen sich sicher.
Dennoch möchte ich die positive Denkweise wenn es um den Verschluss des offenen Foramen ovale geht ein wenig dämpfen.
Das genaue Rezidivrisiko nach einer paradoxen Embolie bei PFO bei unbehandelten Patienten ist weiterhin unklar. Das derzeitige Wissen ergibt sich aus kleinen unkontrollierten und zumeist retrospektiven Fallserien, in denen die Patienten mit Thrombozytenfunktionshemmern oder – weniger häufig – mit oralen Antikoagulanzien behandelt worden waren.
Anhand dieser Daten liegt das Rezidivrisiko mit 3-4% pro Jahr nach Medikamentation zunächst relativ hoch. Hierbei machen jedoch transitorische ischämische Attacken (TIA) den größeren Anteil aus; die Hirninfarktrate lag bei nur 1–2% pro Jahr.
Der kardiochirurgische Verschluss eines Vorhofseptumdefektes ist ein ausgereiftes Verfahren, das heutzutage bei jungen Patienten zwar mit relativ niedriger operativer Mortalität und Morbidität durchgeführt werden kann, jedoch trotzdem alle Komplikationsmöglichkeiten der Thorakotomie und der offenen Herzoperation beinhaltet. Zum operativen PFO-Verschluss als Sonderfall dieses Eingriffs existieren bislang nur kleine unkontrollierte Fallserien. Dabei traten zwar wenig Komplikationen und keine Todesfällen auf, die Rezidivraten variierten jedoch stark (0% und 19,5%).
Der kathetertechnische Verschluss bietet den Vorteil der geringeren Invasivität und erspart dem Patienten das Operationstrauma und eventuell die Allgemeinanästhesie. Dennoch sind auch hier Komplikationen beschrieben, die Dislokationen und Embolisationen des Systems, schwere Herzrhythmusstörungen, Perikardtamponaden, Vorhofperforationen, Infektionen und lokale Thrombenbildung umfassen. Es kommen zahlreiche Systeme zur Anwendung, die alle das fehlende Vorliegen von Langzeiterfahrungen gemeinsam haben. Je nach System fanden sich in unkontrollierten Serien ein signifikanter residualer Shunt bei bis zu 14% der Patienten und schwere Komplikationen bei bis zu 10% der Prozeduren. Zudem lag das Rezidivrisiko mit bis zu 3,4% pro Jahr in einem mit den Daten zur medikamentösen Prophylaxe vergleichbaren Bereich.
Fazit ist, daß das Rezidivrisiko annähernd gleich ist. Den Nebenwirkungen der Medikamentation stehen die erwähnten und nicht gerade geringfügigen Komplikationen gegenüber. Es muss also jeder Fall für sich entschieden werden. Ein klares Pro oder Kontra ist anhand dem jetzigen Stand und Auswertung von Studien nicht abzugeben.
Beste Grüße
Willi Daniels
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