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Nachhaltig geschädigt durch Chemotherapie?

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Hallo liebe Leute,

meine Mutter hatte Brustkrebs. Nach OP und Chemotherapie (letzte vor ein paar Monaten) warten wir darauf, dass sich ihr Zustand wieder normalisiert. Während der Chemo haben wir gedacht, die Abgeschlagenheit, Müdigkeit und auch das Depressive wären Begleiterscheinungen der starken Medikamente. Sie hat sich aber bis jetzt noch nicht deutlich erholt. Sie ist nicht mehr sie selbst, oft abwesend, teilnahmslos und manchmla habe ich angst, dass die Chemotherapie auch in ihrem Kopf Schaden angerichtet hat. Sie kann manchmal einfach nicht mehr so klar denken wie früher, obwohl sie mit 63 Jahren ja nicht plötzlich altersverwirrt sein kann. Sind das Nachwirkungen der Chemotherapie? Geht das wieder weg - und vor allen Dingen: wie lange kann das dauern?

Über eine Info würde ich mich sehr freuen!

Juli
Juli38
 
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Beitragvon Babs am Mo Sep 10, 2007 9:59 pm

"Nach OP und Chemotherapie (letzte vor ein paar Monaten) warten wir darauf, dass sich ihr Zustand wieder normalisiert."

Liebe Juli38,

eine Frage: Ist Dir bewusst, dass Krebs eine etwas andere Krankheit ist als z.B. Bronchitis oder Erkältung? Bei Bronchitis & Co. ist man irgendwann wieder gesund. Nach der Primärtherapie bei Krebs ist man aber noch lange nicht gesund. Die Behandlung ist zwar abgeschlossen, aber man muss alle 3 Monate zur Nachsorge. Und die Krankheit schwebt wie ein Damoklesschwert über uns. Krebs ist eben eine chronische Krankheit.

Und wann ist man nach Chemo "wieder normal"? Die Frage kann nicht so pauschal beantwortet werden. Manchmal schon nach einem Jahr, manchmal nach 3 Jahren, manchmal noch später, manchmal nie. Du willst, dass Deine Mutter schnell wieder so ist, wie sie mal war. Dieser Wunsch ist verständlich, aber so geht das leider nicht.

Du schreibst: "meine Mutter HATTE Brustkrebs (letzte Chemo vor ein paar Monaten)". Ich sage: Ich HABE Brustkrebs (Primärtherapie beendet Weihnachten 2004).

Ich wünsche Dir viel Geduld.

Babs
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Beitragvon Netiba am Di Sep 11, 2007 10:47 am

Liebe Juli,

hatte Ende Mai 2007 die letzte Chemo und hab auch heute noch mit den Nachwehen zu kämpfen, aber es wird mit jedem Tag besser. Während der Chemos hatte ich auch das Gefühl: Chemo macht blöd. Wenn meine ebenfalls erkrankte Freundin und ich uns unterhalten haben, war das aufgrund unserer Wortfindungsstörungen manchmal wirklich krass. Wir haben es mit Humor genommen, ändern kann man daran eh nichts. Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten und ähnliches sind normal. Es braucht auch einfach Zeit, bis sich alles wieder regeneriert.

Gegen die Abgeschlagenheit und Müdigkeit hilft nur eins: Bewegung. Da muss man den inneren Schweinehund einfach überwinden. Aber dabei könntest Du deiner Mama ja prima helfen: und wenn es nur spazieren gehen ist. Zu Zweit macht es einfach mehr Spaß und das wäre schon mal ein Anfang.

Was das depressive angeht: Während der Erkrankung ist man mit überleben beschäftigt. Die meisten managen ihre Krankheit und realisieren erst nach den Therapien, wie sehr sie um ihr Leben gekämpft haben und vor allem auch wie viel Kraft das gekostet hat. Ich selber habe die Hilfe eines Pschologen mit psychoonkologischer Zusatzausbildung in Anspruch genommen und habe diese Krise gut gemeistert. Heute kann ich wieder zuversichtlich nach vorne schauen, aber das brauchte Zeit.

Eines möchte ich auch noch loswerden: Das was du ausgesprochen hast, denken ganz viele Angehörige... Die Therapien sind vorbei und der Patient ist nicht mehr der/ oder dieselbe. Um so beachtlicher, dass du in diesem Forum andere Betroffene fragst, ob das normal ist.

Ich drücke deiner Mama ganz doll die Daumen, dass sie sich schnell von den Strapazen der Therapien erholt. :D

Einen lieben Gruß
Netiba
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Beitragvon Moderator am Mi Sep 12, 2007 8:29 am

Vielleicht ist der Artikel interessant:

http://www.curado.de/krebs/krebs-allgem ... rursachen/
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Beitragvon Babs am Mi Sep 12, 2007 5:15 pm

Und da wäre noch was ... Fatigue (chronische Müdigkeit) - viele Krebspatienten leiden noch jahrelang nach der Therapie an Fatique.
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Beitragvon Moderator am Do Okt 11, 2007 7:31 am

Zum Fatigue-Syndrom berät übrigens auch die Deutsche Fatigue Gesellschaft Patienten.

Erreichbar unter: 0221 - 93 115 96

Alles Gute

Holger
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Beitragvon fantasyfee06 am Di Dez 11, 2007 4:54 pm

hallo juli38,

ich finde sehr gut was netiba geschrieben hat.

und möchte dazu auch sagen, gegen diese abgeschlagenheit, müdigkeit.. hilft sobald es bergauf geht wirklich nur bewegung und frische luft, auch wenn es manchmal dermassen schwer fällt. sobald es mir nach jeder chemo besser ging, hab ich gekämpft und vor der nächsten ging es mir immer relativ gut. es wurde allerdings auch von chemo zu chemo schlimmer. auch mit der kraftlosigkeit in armen und beinen und muskeln überhaupt. gymnastik fällt sehr schwer. immer versuchen in kleinen schritten alles wieder aufzubauen. mit, viel geduld, halt.

im kopf war ich auch ne zeitlang nach jeder chemo immer etwas blöd. ich hab meiner umwelt das mitgeteilt, warum das so ist. sie haben es verstanden. und mit schwarzem humor geht das besser. sobald sich die symtome nach den chemos gebessert haben, hab ich kopftraining gemacht.. viel telefoniert!, gelesen, pc-spiele, kreuzworträtsel.... auch wenn ich manchmal dabei von mir selber genervt war, weil mir vieles nicht einfiel. ich denke das hilft. versuch es mal mit deiner mama.

das psychische.. ist von person zu person sehr verschieden. ich habe keinen psychologen konsultiert. mom brauche ich das nicht. ich weiss nicht, wie das in zukunft sein wird. aber mom komm ich mit der unterstützung von meinem freund, meiner familie und kollegen und freunden gut klar. es gibt natürlich auch schlechte tage, wo ich nur heulen könnte, aber die hat doch jeder von uns.

und eines ist wichtig, deine mama muss an sich glauben. sie muss glauben, dass es wieder besser wird. sie muss selber etwas dafür tun und wenn nötig, die ärzte nerven. sie hat doch deine hilfe, das ist toll.

ich wünsch deiner mama alles alles liebe und das sie bald gut wieder auf die beine kommt.....
viele grüsse von der fee
fantasyfee06
 
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Zur Zeit der Krebsdiagnose hat man wohl die Alternative "weiter wie bisher" oder "Stahl" und/oder "Strahl" und/oder "Chemoteraphie". Die Geschwindigkeit der Ausbreitung (2 x Zeit = 8 x Volumen) zeigt wohl die Problematik des schnellen Handelns und vor allem bleibt wenig Zeit sich den persönlichen günstigsten Weg zu suchen. Bei dieser vernichtenden Diagnose und dem außergewöhnlichen Stress ist der erkrankte Mensch sehr leicht steuerbar und krampft sich an jedem Strohhalm und saugt gierig Hoffnungen jeder Art auf.
"Hoffnung" ist wohl auch mit den unterschiedlichen Definitionen von "Gesund" zu erklären: Der erkrankte Mensch definiert "Gesund ist die Abwesendheit von Krankheit" und für den Mediziner ist "wieder gesund sein" das Überleben von fünf Jahren nach der Diagnose (auch wenn am Tag "fünf+1" der Tod eintritt). Früherkennung bedeutet nun eine statistische Verlängerung des Lebens wohl um einige Monate = medizinischer Erfolg.
Die Chemobehandlung schädigt "gesunde" und "befallene" Körperzellen mit de Hoffnung dass sich die "gesunden" besser erholen. Um so schlechter sich ein Mensch fühlt desto mehr sind die "gesunden" Zellen geschädigt - aber auch die "befallene" Zellen. Lebensumstände, Dauerstress (wohl nicht vermeidbar), unangepasste Ernährung und Ausdauer- und Leistungs-Sport tragen wohl zu einer zusätzlichen Belastung des Immunsystems bei und schwächen den Körper. Auch wenn das Adrenalin kurzfristig eine Erholung vorgaukelt ist die Belastung auf das geschwächte Immunsystem nicht im Sinne der Verlängerung des Lebens. Die extreme Müdigkeit zeigt immer eine Vergiftung des Körpers an - ob durch Chemo, Ausdauersport, zu viel falsches Essen (Tierleichen) oder durch allgemeinen Stress des Lebens. Die Empfehlung liegt eher beim entspannten leben ohne dauerhafte geistigen und körperlichen Belastungen.

Stress war wohl vorher mit dem Ergebnis der Diagnos "Krebs". Daraus sollte der Mensch etwas gelernt haben. Die Müdigkeit bedeutet Ausruhen. Im "vorherigen Leben" bedeutet Müdigkeit "faul", "träge" und "bequem" zu sein. Kaffee, Tee, Medikamente, nachts noch mal schnell in die Disko oder in die Kneipe oder medikamente bringen das "künstliche Wach-sein".
Das Konsumenten- und Aktion-System fordert aktiv am Leben teilnehmen: den ganzen Tag und die ganze Nacht. Auch im Urlaub ist volles Programm. Nur die Ruhe und Entspannung fehlt den Menschen.

Gesund wird der an Krebs erkrankte Mensch nicht mehr. Aber er könnte mit der neuen Situation (!) weiter leben und das (Rest)-Leben endlich bewust geniesen und die "Lebens-Fehler" minimieren.
Selbstdenkend
 
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