Liebe Juli,
hatte Ende Mai 2007 die letzte Chemo und hab auch heute noch mit den Nachwehen zu kämpfen, aber es wird mit jedem Tag besser. Während der Chemos hatte ich auch das Gefühl: Chemo macht blöd. Wenn meine ebenfalls erkrankte Freundin und ich uns unterhalten haben, war das aufgrund unserer Wortfindungsstörungen manchmal wirklich krass. Wir haben es mit Humor genommen, ändern kann man daran eh nichts. Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten und ähnliches sind normal. Es braucht auch einfach Zeit, bis sich alles wieder regeneriert.
Gegen die Abgeschlagenheit und Müdigkeit hilft nur eins: Bewegung. Da muss man den inneren Schweinehund einfach überwinden. Aber dabei könntest Du deiner Mama ja prima helfen: und wenn es nur spazieren gehen ist. Zu Zweit macht es einfach mehr Spaß und das wäre schon mal ein Anfang.
Was das depressive angeht: Während der Erkrankung ist man mit überleben beschäftigt. Die meisten managen ihre Krankheit und realisieren erst nach den Therapien, wie sehr sie um ihr Leben gekämpft haben und vor allem auch wie viel Kraft das gekostet hat. Ich selber habe die Hilfe eines Pschologen mit psychoonkologischer Zusatzausbildung in Anspruch genommen und habe diese Krise gut gemeistert. Heute kann ich wieder zuversichtlich nach vorne schauen, aber das brauchte Zeit.
Eines möchte ich auch noch loswerden: Das was du ausgesprochen hast, denken ganz viele Angehörige... Die Therapien sind vorbei und der Patient ist nicht mehr der/ oder dieselbe. Um so beachtlicher, dass du in diesem Forum andere Betroffene fragst, ob das normal ist.
Ich drücke deiner Mama ganz doll die Daumen, dass sie sich schnell von den Strapazen der Therapien erholt.
Einen lieben Gruß
Netiba