Hallo Zusammen,
es ist schon erschreckend, wie viel Leid es auf der ganzen Welt gibt! Nadine, als ich Deine Zeilen las, wurde mir ganz mulmig zumute, alles, wirklich alles erinnerte mich an meine Mum. Nur, dass meine Mum seit Juli 2010 über einen Luftröhrenschnitt beatmet wird. Sie hat zu ihrer COPD IV noch ein schweres Lungenemphysem und das schon seit etlichen Jahren. Sie wurde am Samstag 58. Jahre alt, sie kämpft schon seit ca .15 Jahren
mit dieser Krankheit, es wurde jährlich schlimmer. Im Dezember 2010 wurde sie nach sieben Monaten Krankenhausaufenthalt nach Hause entlassen, in ein völlig neues, anderes Leben. In ein Leben mit einer Beatmungsmaschine und mit einem 24.Std. Pflegepersonal, falls die Maschine mal ausfällt...! Ich dachte bis vor kurzem noch, dass sie mit dieser Situation zurecht kommt, wie gesagt, ich dachte es und hoffte es natürlich!!! Was leider überhaupt nicht der Fall ist!!!
Es gibt seit einiger Zeit eine neue OP-Methode, es werden sogenannte Ventile in die Lunge gesetzt, die Luft aus der aufgeblähten Lunge kann entweichen und dem Patienten soll es wieder deutlich besser gehen. Was da genau passiert kann ich jetzt auch nicht so erklären, bin ein Laie und habe es nur vom Hörensagen. Dss Problem ist; dass es bisher nur Studien über unbeatmete Patienten gibt, bei einem beatmeten Patienten wurde es bisher nie angewandt. Die Gefahr ist, dass die Lunge, die zur Zeit nur sehr schlecht belüftet wird, zusammenfallen kann, das würde das Ende bedeuten...
Es kann aber auch gut gehen und dann wäre es ein riesen Schritt in die Zukunft und Hoffnung für alle anderen beatmeten Patienten! Nun, meine Mum will unbedingt diese Methode wählen, mit allen Risiken und allen Konsequenzen! Sie hat mir versucht zu erklären, wie sie sich fühlt und das sie mit diesem Leben nicht mehr zurecht kommt. Sie möchte und kann so nicht weiter machen. Sie bittet mich um Verständnis und sie hofft natürlich sehr, dass es gut geht.
Als ich zum ersten Mal von ihrer Entscheidung hörte, da brach ich regelrecht zusammen. Dieses Risiko einzugehen, konnte ich absolut nicht nachvollziehen..., aber es ist auch meine Mum, die mir alles, wirklich alles bedeutet! Ich machte mir was vor, wenn ich dachte, so kann sie doch auch "gut" leben...
Wir fuhren Cafe trinken, wir fuhren spazieren (mit ihrem E-Rolli), wir lachten Tränen und wir führten ernste Gespräche, warum sollte das nun alles vorbei sein, warum kommt sie plötzlich nicht mehr mit diesem Leben klar?
Es war mein Wunschdenken und sie gibt auch zu, dass sie es versucht hat, aber sie will es nicht mehr und sie kann es auch nicht mehr. Sie hofft so sehr, dass es funktioniert, aber falls nicht, dann würde sie auch nichts mehr mitbekommen...
Ich stelle mir nun die Frage, was wird schlimmer werden? Wenn die OP gelingt, ohne dass ihre Lunge zusammenfällt, aber sie trotzdem weiter beamtet werden muss oder ihre Lunge fällt zusammen und sie wird nicht mehr da sein?
Ich habe keine Antwort darauf und ich will es mir auch gar nicht vorstellen, es ist meine Mum und ich wünschte, ich wünschte aus tiefstem Herzen, dass alle ihre Wünsche in Erfüllung gehen und sie wieder ganz gesund wird! Sie soll wieder glücklich sein und sich nicht quälen müssen. Ich habe sehr, sehr große Angst vor dem Tag!!!
Es wird jedoch noch eine Voruntersuchung geben und erst dann wird endgültig entschieden, ob sie operieren, oder nicht. Selbst das wäre fatal, wenn sie eine negative Entscheidung treffen, denn dann fällt ihr Kartenhaus zusammen und dann wird es keine Hoffnung mehr für sie geben....
Ich habe geschworen, sie in allen Entscheidungen zu unterstützen und ich will nicht, dass sie sich weiter quält, aber es tut auch verdammt weh, sich mit dem Gedanken zu beschäftigen, was werden kann....
Sie leidet trotz der Beatmung unter Luftnot, mal mehr, mal weniger. Es macht ihr viel Mühe sich zu bewegen, weil ihr dann die Luft fehlt. Sie sagt, jede Bewegung ist eine Qual...
Ich wünschte, alles wird gut werden!!!
LG Nicky